Die erste Woche des Praktikums ist nur so verflogen und nach 6 Stunden am Tag war ich sogar zu erschöpft zum Schreiben, zumal das Leben Zuhause auch nicht stehen bleibt. Also:
Tag 1: Chaotisch, nicht nur für mich. An der Schule finden für die 10. und 11. Klassen Fachtage statt, da sie aufgrund von G-8 zusammen in eine Klasse gehen werden. Meine Mentorin leitet den Kurs „Von der Statistik zur Karte und zum Text“. Welch ein Glück für mich! Doch zunächst herrscht große Aufregung, da die Gruppen durcheinander gewirbelt wurden. Nachdem das geklärt wurde, konnte die Arbeit jetzt allerdings in verkürzter Zeit losgehen.
Doch erstmal zu mir. Ich habe mich brav wie vorgeschlagen im Sekretariat vorgestellt. Keine Ahnung wie das angekommen ist. Dann habe ich meine Mentorin im Lehrerzimmer getroffen. Wie schon gesagt, alles war hektisch und ich habe überhaupt nicht verstanden, wie alles vonstatten gehen sollte. So bin ich nur brav mitgetrabt und habe zugehört.
Tag 2: Wieder Aufregung am Morgen. Meine Betreuerin war schon 1 Stunde vor Unterrichtsbeginn da und hat versucht die von den Schülern am PC erstellten Karten zu laden. Doch allmählich wird mir Einiges klarer. Die Schüler sollen eingeteilt in Gruppen, gemischt aus 10. und 11. Klassen, mehrere Stationen durchlaufen. An der Station vor uns erstellen sie eine Karte von Hamburg aufgrund von Mietpreisstatistiken, die ältere Klassen ausgearbeitet haben. Wir diskutieren dann diese Karte. Gute Farbwahl? Gute Legende? Überschrift? Der ganze Aufhänger war, „welcher Stadtteil sollte kleinere Klassen bekommen?“ Glücklicherweise war genau am Montag eine Karte der Jugendgewalt von Hamburg in der Zeitung, die man mit in die Diskussion nehmen konnte. Mir hat die Aktualität des Arbeitsauftrages super gefallen. Der Bezug zum Alltag ist damit ideal hergestellt, finde ich..
Diesen Tag habe ich auch genutzt, die Schüler zu beobachten, nach den Kriterien, die wir im Kurs aufgestellt haben.
Störenfriede: Traten vereinzelt auf, zeichneten sich nur durch Lautsein aus. Die Lehrerin hat sie immer wieder schnell „in den Griff bekommen“, entweder in dem sie kleine Witze machte, einfach um Ruhe bat oder Ruhe mit lauterer Stimme eingefordert hat. Klappt eigentlich immer.
Geschlechterverteilung: Erschien mir ausgeglichen.
Gruppengröße: ca. 20 Schüler
Migrationshintergrund: Fast nur Deutsche
Schulform: Gymnasium
Alter: Um die 16 Jahre
Erscheinen: Die Schüler wirkten alle sehr gepflegt, gekämmt und gefönt (macht mir Hoffnung für meinen 11jährigen Sohn), doch nicht übermäßig stylisch, Markenbewußtein war nicht auffällig. Die Schule hat auch Schul-T-shirts und Sweatshirt, doch die hat niemand getragen.
Stimmung: Wechsel von interessiert bis gelangweilt.
Tag 3: Nachdem ich nun 2 Tage meine Mentorin im Unterricht – 2 Gruppen je Tag- beobachten konnte, war jetzt ich dran. Die erste Gruppe war ziemlich unmotiviert. Das sah man auch an ihren Karten, die sie am Tag davor gemacht hatten. Sie waren alle unvollständig und einige fehlten sogar ganz. Ich habe darüber auch mit dem Lehrer, mit dem sie die Karten hergestellt haben, gesprochen. Er meinte auch, da es keine Zensuren bei diesem Projekt gibt, sind einige Schüler nicht sonderlich motiviert. Das finde ich schon frustrierend. So war es ganz schwierig die Schüler zur Mitarbeit zu bewegen. Am Anfang haben sie nicht mitgeschrieben, obwohl ich das eingefordert habe. Eine Mädchenklicke fing damit an und andere folgten. Meine Mentorin war am Anfang nicht dabei, was das Verhalten wahrscheinlich unterstützt hat. Ich wußte nicht so recht wie ich mich verhalten sollte und man merkte genau, das sie auf meine Reaktion gespannt waren. Ich entschied mich dann dazu ihr Verhalten einfach zu ignorieren und freundlich weiter zu machen. Ab und zu habe ich auch gute Diskussionen erreichen können. Da habe sie ihren Boykott doch glatt vergessen.
Die zweite Gruppe war motivierter und so war die Mitarbeit auch stärker. Während ich die Schüler zur Mitarbeit antreiben mußte, habe ich gleichzeitig die Karten am Computer aufgerufen, gezoomt, neue dazugenommen.. Dadurch könnte ich mich nicht immer voll auf die Schüler konzentrieren, was ungünstig war.
Nach dem Unterricht habe ich mit meiner Mentorin meinen Unterricht diskutiert und sie meinte, dass ich „da vorne am richtigen Platz bin“. Das hat mich sehr gefreut! Diese drei Tage waren eine große Chance für mich, da ich meine Mentorin mehrer Male beim gleichen Unterricht beobachten konnte. Nie war es gleich! Inhaltlich nicht und auch vom Klima nicht. Dann habe ich den gleichen Unterricht nachgebaut. Inhaltlich habe ich versucht dasselbe rüberzubringen, obwohl auch das nicht 100% zu schaffen ist, denn jede Schülergruppe reagiert anders und man muss andere Fragen stellen, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Meine Mentorin hatte die Gruppen eindeutig besser im Griff. Ich habe mir Gedanken gemacht, woran das wohl liegt. Sicher ist sie kompetenter, aber ein großer Vorteil war auch, dass sie viele Schüler kannte. Die persönliche Ansprache ist so wichtig, haben wir dann auch später noch diskutiert. Dabei sollte man das Lob nicht unterschätzen. Gerade auffällige Schüler kann man damit wieder zum Unterricht bringen. Beruhigend fand ich, dass nie Gemeinheiten oder Unverschämtheiten vorkamen, auch wenn sie mein Protokoll füllen könnten….
Tag 4: Zum heutigen Tag sollten die Schüler in Gruppen einen Vortrag vorbereiten. Dazu haben sich aktuelle Themen aus der Tageszeitung genutzt. Eine tolle Idee zum Üben von Referaten. Außerdem sollte jede Gruppe aus 10. und 11.Klässlern gemischt sein. Auch geschickt. Das war wieder mein Zuhörtag. Doch ich war in einer Gruppe, die ich schon vom Vortag kannte. Alles war gleich vertrauter, auch für die Schüler.
Was ich richtig toll fand, dass die Lehrerin die zuhörenden Schüler in Gruppen „Sprache, Körpersprache, Inhalt“ eingeteilt hat. Sie sollten dann vestärkt auf diese Merkmale achten. Das hat super geklappt. Denn so konnte man die Schüler direkter ansprechen und es war einfacher für sie die Vorträge zu beobachten und zu beurteilen. Das haben sie total gut gemacht, sie waren wirklich motiviert dabei. Die Lehrerin hat ihre Kritik zum Schluss eines jedes Referates an jeden Schüler abgegeben und es ist ihr gut gelungen, positiv zu kritisiern, aber nicht zu verletzten. Fand ich total schwer. Man kann auch mal eine Scherz machen, haben wir hinterher diskutiert, aber er muss als solcher erkannt werden. Die Schüler waren sehr interessiert an ihrer Meinung. Die Lehrerin hat auch immer wieder erwähnt, dass auch Lehrer und sie natürlich auch, den ein oder anderen Fehler machen. So hat sie sich selbst manchmal zum Anlass eines Lachers zur Verfügung gestellt. Diese Lacher haben das Klima unheimlich aufgelockert und man konnte wieder konzentriert weiter machen. Das fand super. Gleichzeitig hat sie aber für absolute Ruhe während der Referate gesorgt und erklärt warum ihr das so wichtig ist: Respektlosigkeit vor der Arbeit der anderen.
Schwierig fand ich, dass man in der Position des Lehrers neutral bleiben muss. Ich hatte sooft eine Meinung zu den Themen und konnte mich kaum zurück halten als es um Obama gegen Clinton ging… Nur einmal hat die Lehrerin eingegrieffen, als eine Sache nur einseitig von einer Seite betrachtet wurde, hat sie versucht auch die andere Seite vorzustellen, aber ohne Partei zu ergreifen. Sehr schwer!
Zum Schluss hat sie noch einen Fragebogen über die Meinung der Schüler zu den Fachtagen verteilt. Ich fand das war eine runde Sache!
Im Lehrerzimmer sind wir dann meinen Unterricht für die nächste Woche durchgegangen- wenn wieder Alltag an der Schule herrscht.
Ich fand die Woche total interessant und habe mich auch über die freundliche Atmosphäre im Lehrerzimmer gefreut. Mal sehn was Montag gibt!